Internationale Begegnung-Rückbesuch 

Stamm Alemannen Freiburg – Guías y Scouts de Costa Rica 2012

 

Vorbereitung:

Die Vorbereitungen begannen für die 3 Hauptorganisatoren unserer Reise wohl schon sehr viel früher als für uns 16 jüngere Gruppenmitglieder. Die Pfadfindergruppe, die wir in Costa Rica besuchten, war im Sommer 2012 auch schon bei uns in Freiburg zu Gast. Wir zeigten ihnen das Lagerleben in Deutschland, unsere Hauptstadt Berlin und das Leben in und mit unseren Familien. Am Abreisetag dieser Gruppe, vor etwa eineinhalb Jahren, machte sich schon auf beiden Seiten der Wunsch nach einem Rückbesuch breit. Für Fabian, der den Kontakt zu der Gruppe 204 in Heredia (nahe der Hauptstadt San José) während seines „weltwärts“-Jahr 2010/2011 aufbaute und auch den Besuch dieser Gruppe in Deutschland organisierte, fingen daher schon Ende 2012 erste organisatorische Absprachen mit dem Leiter „Johnny“ der costa-ricanischen Austauschgruppe an. Daraufhin wurden wir für den Winter 2013/2014 zu dem Rückbesuch nach Costa Rica eingeladen. Nun begann auch in Deutschland der Vorbereitungsaufwand größer zu werden. Im Frühling 2013 wurden die ersten E-Mails herumgeschickt, in denen der genaue Zeitraum, die Mitfahrenden, Fragen zu Kosten und andere grundlegende Dinge entschieden werden mussten. Mit diesen kamen die ersten größeren Entscheidungen auf uns zu und etwa im Mai begannen die Vorbereitungen genauere Züge anzunehmen: Es kam die offizielle Einladung der Pfadfinder aus Costa Rica, was die Freude auf ein Wiedersehen noch vergrößerte. Nachdem von den Schulen die Erlaubnis zu vier Tagen Beurlaubung gekommen war, konnte der Termin für die Reise sicher auf den Zeitraum vom 25.12.2013 bis zum 10.01.2014 festgelegt werden. Nach ein paar Komplikationen stand auch die sechzehn-köpfige Gruppe mit sechs weiblichen und sieben männlichen Teilnehmern, sowie den zwei weiblichen- und einer männlichen Leitung fest und es konnte ein Flug gebucht werden. Nun wurden Teilnahmebedingungen und endgültige Anmeldeformulare ausgefüllt und es fand ein erster Infoabend für Eltern und Mitreisende statt. Ab dieser Zeit wurde die Reise endlich handfest und wir begannen fleißig Aktionen zu organisieren, um die Kosten der Reise etwas zu reduzieren: Kuchen wurden verkauft, ein Flohmarktstand organisiert und Spendenaktionen in der Kirche durchgeführt. Nach unserem ersten Vorbereitungswochenende im September wurde auch wirklich für jeden Einzelnen der Gruppe die Reise ein dauerhaft präsenter Gedanke. Da die Gruppe in Costa Rica und auch in Deutschland nicht genau dieselbe wie im Jahr 2012 bleiben konnte, lernten manche ihren Austauschpartner nun erst über Facebook kennen, die Anderen freuten sich, ihre Freunde nach eineinhalb Jahren endlich mit Sicherheit wieder sehen zu können. Es begannen neben Vorbereitungen in der Gruppe auch die Privaten, wie zum Beispiel „Skypegespräche“ mit der costa-ricanischen Familie oder die Auswahl des passenden Gastgeschenkes. In diesen letzen Monaten vor dem Start unserer Reise nach Costa Rica erreichten die Organisationen ihren Höhepunkt. Jeder Mitreisende konnte in diesen Wochen ein mit E-Mails gefülltes Postfach, zu Reiseformalitäten sowie auch viele, mit Vorbereitungstreffen gefüllte Tage erwarten. Auf unserem zweiten Vorbereitungswochenende im Dezember übten wir vor allem unser kleines Theaterstück, mit dem wir uns und Deutschland den Costa Ricanern vorstellen wollten. Außerdem sprachen wir natürlich viel über letzte Fragen und auch Ängste, die jeder Einzelne vor dem Reisebeginn noch hatte. An diesem Wochenende drehten wir zudem ein kleines Video, mit dem wir uns unserer Austauschgruppe vorstellen wollten. Auf diesem sah man uns im Schnee und wir sendeten, auf Englisch oder Spanisch, je nach den eigenen Möglichkeiten, liebe Grüße an unsere Gastpartner. Die Zuordnung der Gastpartner wurde so organisiert, dass die jeweiligen Partner das gleiche Geschlecht und etwa auch dasselbe Alter hatten. Die Tage im Dezember wurden von jedem für letzte Planungen, Besorgungen persönlicher und gemeinsamer Geschenke, dem Proben des Theaterstückes, dem Anfertigen von Packlisten und vielem anderem genutzt. Aufgrund dieser guten Vorbereitungen, konnten wir am 25.12. unsere Reise mit gutem Gewissen und viel Freude endlich starten.

 

Durchführung:

Am 25.12. trafen wir uns um 5.30 Uhr an der Kirche. Noch etwas müde, aber voller Vorfreude verteilten wir uns auf die Autos, die uns zum Frankfurter Flughafen fuhren. Dort mussten wir durch den Check-In, bei dem zum Glück jede Gepäckgröße ohne Probleme genehmigt war. Nachdem auch die Sicherheitskontrollen passiert worden waren, saßen wir schon bald im Flieger. Nach zehn Stunden Flug kamen wir in Atlanta an, wo wir nun wieder durch die Sicherheitskontrollen hindurch mussten. Es begegnete uns aber zum Glück jeder sehr freundlich und nicht nur einmal führten wir kurze Gespräche über Pfadfinder, unsere Kluft und unsere Reise. Schon ziemlich erschöpft von dem langen Flug und dem Aufenthalt in Atlanta ging es weiter in das nächste Flugzeug, mit dem wir innerhalb von vier Stunden in Costa Rica ankommen würden. Sehr aufgeregt füllten wir noch die Bögen für die Einreise aus oder versuchten ein wenig zu schlafen. Als wir in San José ankamen, wurden wir nach der Gepäckausgabe schon freudig von unserer costa-ricanischen Austauschgruppe erwartet. Mit Kluft, sowie ihren passenden Hosen bekleidet und unserer Stammesfahne in der Hand waren sie nicht zu übersehen. Die Freude war sehr groß, als wir uns nun endlich, nach eineinhalb Jahren, in ihrem Heimatland wieder sehen konnten. Den Abend verbrachte noch jeder in seiner eigenen Gastfamilie und vor allem auch mit viel Schlaf.

 

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Am nächsten Morgen trafen wir uns gegen späten Vormittag alle wieder, um den Tag erst einmal ruhig anzugehen und uns als Gruppe gemeinsam anzunähern. Das wichtigste Thema der deutschen Teilnehmer waren natürlich anfangs die ersten Erfahrungen in der Familie und mit dem costa-ricanischem Leben. Jeder freute sich nun alle Costa-Ricaner des Austausches wieder zu sehen und für das Kennenlernen verbrachten wir den Tag gemeinsam auf einer Pfadfinder-Finca am Ortsausgang von San Isidro. Hier wurde die Natur von Costa Rica bestaunt, die man jetzt, am Tag, erst richtig wahr nehmen konnte. Gemeinsam wurden tropische Früchte direkt von den Pflanzen gepflückt und gegessen, Gruppenspiele gespielt, die Sonne genossen, viel geredet und gesungen. Es war sehr positiv überraschend, dass das Verhältnis untereinander schon schnell wieder so war, als wäre man nur zwei Wochen voneinander getrennt gewesen. Am Abend gingen wir in etwas kleineren Gruppen in das Stadtzentrum, um beim Fotos machen, gemütlichem Herumsitzen und dem Bummeln über kleine Marktstände auch das abendliche Costa Rica kennenzulernen und zu genießen.

 

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Den nächsten Tag nutzten wir, um die Hauptstadt, San José, zu besichtigen. Da das Einhalten von Uhrzeiten in Costa Rica nicht so genau genommen werden muss, trafen wir uns gegen 9/10 Uhr an der Plaza National, dem Herzen San Josés. Bei einem Besuch des nationalen Goldmuseums bestaunten wir den großen präkolumbianischen Goldschatz und lernten etwas über die Geschichte und die verschiedenen Facetten Costa Ricas. Nach diesem langen Besuch freuten wir uns alle sehr darauf, im Sonnenschein unsere Vesper zu essen. Dafür fuhren wir in den „Parque Savanna“. Hier lernten wir auch ein typisches costa-ricanisches Spiel kennen und saßen am See dieses beliebten Parks. Gestärkt und mit viel neuer Energie ging es dann wieder zurück in das bunte Treiben der Großstadt, wo wir auf typisch costa-ricanischen Märkten unsere ersten Errungenschaften mit Colones bezahlten. Sehr müde, aber glücklich, und schon mit vielen Souvenirs aus diesem, doch sehr anderen Land, ging es abends zurück in die Gastfamilie. Dort mussten nun noch schnell die Rucksäcke für das Lager am Strand gepackt werden, zu dem es am nächsten Morgen ging.

 

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Früh um sechs Uhr morgens wurden wir geweckt. Nach einem Frühstück in der Gastfamilie ging es schon los, um mit dem Bus zum Strand zu fahren. Alleine die Busfahrt war eine Attraktion für sich. Die Stimmung war gefüllt mit Vorfreude auf das Meer und durch den Stopp, um Krokodile anzuschauen, wurde diese natürlich noch gefördert. Alle waren überwältigt von dem Anblick der vielen Krokodile, die sich dort unter der Brücke von den Touristen bestaunen ließen. Der nächste Halt waren kleine Marktstände am Straßenrand, bei denen es alle möglichen Arten von Früchten zu kaufen gab. Beliebt waren natürlich die Kokosnüsse, die vor Ort ausgetrunken werden konnten. Hier wurden uns von unseren Austauschpartnern aber auch etliche Früchte gezeigt, die wir so noch nie gesehen hatten. All das zeigte uns jetzt schon, wie anders vieles in einem subtropischen Land wie Costa Rica ist. Als wir dann wenig später auch noch anhielten, um wilde Papageien und andere Vögel oben in der Baumkrone zu bestaunen, und an der gleichen Stelle zudem auch das erste Mal den Pazifik sahen, war die Laune wirklich an ihrem Tageshöhepunkt angekommen.

 

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An unserem Zeltplatz angekommen bauten, wir gemeinsam unsere Schlafzelte auf, während ein anderer Teil schon das Mittagessen vorbereitete. Der Temperaturunterschied war hier für uns alle deutlich zu spüren. Vom auf ca. 1300 Meter hoch gelegenen Talkessel von San José mit für Deutschland frühsommerlichen Temperaturen kamen wir in die trockene Hitze der Pazifikküste. Daher flüchteten sich viele schon direkt nach dem Mittagessen in das angenehm temperierte Wasser. Den Nachmittag über verbrachten wir am Strand. Etwa gegen fünf Uhr nachmittags konnten wir schon den Untergang der Sonne mit verfolgen und es wurde, innerhalb einer kurzen Zeit, für uns Deutsche ungewohnt schnell dunkel. Nun wurde zu Abend gegessen und danach am Strand am Lagerfeuer beisammen gesessen. Schon jetzt kam es einem so vor, als wären wir schon viel länger in Costa Rica, als nur ein paar Tage.

 

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Am nächsten Morgen war schon wieder sehr frühes Aufstehen angesagt. Der Schlaf kam in dieser Zeit definitiv zu kurz, jedoch bietet Costa Rica für uns ja auch sehr viel interesanteres als Schlafen. Gestärkt nach dem leckeren Frühstück, machten wir uns zu einem Tagesausflug auf. Mit dem Bus ging es in den Nationalpark „Manuel Antonio“, wo wir uns zuerst über die vielen erspähten Tiere im Wald freuten. Leider war der Park gefüllt mit vielen Touristen, weshalb man das „Urwaldflair“ nicht zu spüren bekommen konnte. Ein langer Fußweg und viele Affen, Faultiere und andere bekannte oder unbekannte Arten später, kamen wir zum großen Strand. Der Strand sah traumhaft aus und das Wasser war bei der Hitze wirklich dringend für uns nötig gewesen. Trotz des vielen Eincremens mit Sonnenschutz waren wir nach den wunderschönen Stunden im und am Wasser leider doch mit Sonnenbrand gestraft. Die Folge dessen war, dass nun noch mehr auf Sonnenschutz geachtet werden musste und in den extremsten Fällen sogar der Kontakt mit Sonne, soweit als möglich, von den Leitern verboten wurde. Den Abend verbrachten wir alle gemeinsam wieder am Strand ums Lagerfeuer herum und wir Deutschen nutzten diese schöne Stimmung, um unseren costa-ricanischen Freunden die Liederbücher zu überreichen, die wir ihnen aus Deutschland mitgebracht hatten. Die Freude war anschließend auf beiden Seiten groß, als am Lagerfeuer deutsche Fahrtenlieder gesungen und beigebracht wurden.

 

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So ging ein weiterer toller Tag vorüber und am nächsten Morgen stand schon wieder die Heimfahrt zu den Gastfamilien an. Geplagt von einer wirklich unerträglichen Hitze wurden nach dem Frühstück und einem kurzen Sprung in die Wellen die Zelte zusammengepackt. Dann ging es mit dem Bus zurück Richtung Heredia. Auf dem Weg machten wir Halt, um zu einem Strand zu laufen, an dem wir Schildkröten sehen sollten. Leider merkten wir nach dem Hinweg in der extremen Hitze, dass der Strand und die zugehörige Schildkrötenstation von den Wellen zerstört worden war und dort wohl keine Schildkröten mehr zu finden waren. Statt Schildkröten sahen wir die wunderschöne Pflanzenvielfalt um uns herum und die Stimmung war, trotz unerträglicher Hitze, toll wie immer. Die Busfahrt zurück nutzte dann der Großteil um Schlaf nachzuholen und der Abend wurde wieder in den Gastfamilien oder auch mit dem Besuchen der Stadt, oder Einkaufszentren, verbracht.

Der nächste Tag war der 31. Januar, das auch in Costa Rica als ein wichtiger Familientag begangen wird. Den Tag verbrachte jeder bei seiner Gastfamilie. Zum Beispiel mit Besuchen bei den Großeltern, wo dann die ganze Großfamilie anzutreffen war. Es war für uns ein wirklich komplett anderes Erlebnis, einen bekannten und traditionellen Tag wie Silvester, in einem anderen Land mitzuerleben. Natürlich waren viele Gastfamilien und Verwandte daran interessiert, etwas über Deutschland erzählt zu bekommen. Das war auf Dauer, aufgrund der Unterhaltung in einer anderen Sprache, anstrengend, aber auch schön. Um die Silvesternacht gemeinsam zu feiern, trafen sich viele aus der Gruppe am Abend wieder. Es wurde getanzt, costa-ricanisch gegessen, geredet und vieles mehr, und ganz schnell war es auch schon zwölf Uhr nachts. Auf dem Balkon wurde angestoßen, Fotos gemacht, sich umarmt und das Feuerwerk angeschaut. Ziemlich anders war das für uns alle: An Silvester in Top oder T-Shirt draußen zu stehen, auf Spanisch und Englisch die Glückwünsche auszusprechen, und ein Feuerwerk zu betrachten, was lange nicht so groß war, wie in Deutschland. Das alles hatte fast etwas Unwirkliches. Nach 12 Uhr ging es weiter mit Tanzen und irgendwann auch ins Bett, denn am nächsten Tag erwartete uns schon der Aufbruch zum nächsten Lager.

Dieses Lager war nun der Höhepunkt in Hinsicht auf das Kennenlernen des costa-ricanischen Pfadfinderlebens. Es fand in Íztaru statt, wo die Pfadfinder dort einen eigenen, großen nationalen Zeltplatz haben. Dieser wird traditionell immer auch dazu genutzt, um mit Pfadfindern aus aller Welt das Lagergefühl zu leben. Daher achteten auch wir hier auf etwas offizielleres Auftreten, weshalb wir die Kluft regelmäßig trugen. In den vier Tagen auf diesem Lager lernten wir weitere Pfadfinder kennen, wie zum Beispiel die Gruppe des Pfadfinderpräsidenten aus Costa Rica oder Freunde unserer Gruppe. Es war eine tolle Zeit, in der man vor allem das Pfadfinderleben doch mal ein wenig anders mitkriegte. Zum Beispiel beim Beobachten der regelmäßigen Durchführungen von Zeremonien in anderen Gruppen. Für den deutschen Teil unserer Gruppe war ein wichtiger Punkt auf diesem Lager die Premiere unserer einstudierten Präsentation. Auch wenn die Proben noch etwas chaotisch verliefen, waren wir mit der Vorführung doch zufrieden und zum Glück waren auch unsere Zuschauer begeistert. Nach dieser Aufführung und zudem noch einer Bilderpräsentation über Freiburg und das deutsche Pfadfinderleben, die wir auf Spanisch hielten, bekamen wir von dem Vizepräsidenten der costa-ricanischen Pfadfinder zum Dank ein kleines Geschenk.

 

Die nächsten Tage bauten wir alle gemeinsam an einem Sitzkreis für den Pfadfinderzeltplatz in Íztaru. Dies war eine größere Aktion unserer Gruppe und ist nun eine bleibende Erinnerung an unseren Besuch in Costa Rica. Nach zwei Tagen Arbeit hatten wir den Sitzkreis komplett fertig gestellt und aufgrund der durchdachten Konstruktion wird dieser hoffentlich für lange Zeit auf diesem Zeltplatz stehen bleiben und benutzt werden. Neben dem Sitzkreisbauen und anderen Renovierungen am Lagerplatz erkundeten wir an diesen Tagen auch die Umgebung rund um den Lagerplatz. Der Wald und die Temperaturen erinnerten hier sogar ein wenig an den Schwarzwald; mit dem vollen Gras und einer erfrischenden Kälte, die einen manchmal sogar dazu zwang, ein Fleece zu tragen. Als wir die Pflanzen während mehreren Spaziergängen aber aus nächster Nähe betrachteten, war die typische Flora des Nebelwaldes auch hier nicht zu übersehen. Riesige Bäume und Blätter, die mit den deutschen Wäldern doch rein gar nichts mehr zu tun haben.

Am letzten Abend dieses Lagers hatten wir den Sitzkreis komplett fertig gestellt und der Lagerplatz wurde zudem von einer schwarzen Kothe geschmückt, dem typisch deutschen Pfadfinderzelt, welches wir unserer Austauschgruppe geschenkt und mit ihnen gemeinsam aufgebaut hatten. Während dem Essen kam der Direktor des Zeltplatzes und sprach ein paar Worte zu uns. Als Dank für unser Engagement und unsere Arbeit, mit der wir den Pfadfindern in Costa Rica eine große Unterstützung waren, bekamen wir von ihm ein ganz besonderes Batch des Zeltplatzes überreicht. Nach dem Essen verbrachten wir den Abend mit der Einweihung  unseres Sitzkreises. Während wir gemütlich um das Feuer herumsaßen, ging es mit Feierlichkeiten und Dankesworten weiter. Zunächst sagten der Präsident der costa-ricanischen Pfadfinder und sein Stellvertreter einige Worte, in denen sie ausdrückten, wie froh sie über unseren Besuch in Costa Rica gewesen sind  und wie sehr sie die Austausch- und Projektarbeit schätzen. Danach wurden die Halstücher zwischen den Austauschpartnern getauscht. Die kleine Zeremonie lief fast lautlos ab, dennoch war es für uns alle ein sehr bewegender Moment. Nach diesem eher offiziellen Teil fanden die Costa Ricaner aber auch sehr schnell ihre gute Laune und aufgedrehte Art wieder und starteten Gruppenspiele, zu denen auch wir das ein oder andere Kreisspiel beisteuerten. Als alle schon ein wenig müde geworden waren, klang der Abend gemütlich, beim Singen ums Lagerfeuer, aus.

 

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Am nächsten Morgen waren alle in Aufbruchsstimmung. Nach dem Frühstück wurden die Rucksäcke gepackt, letzte Fotos gemacht und manche neu gefundene Freunde mussten schon wieder verabschiedet werden. Doch mit guter Laune ging es dann zurück in das bunte Treiben der Stadt und das Leben in den Gastfamilien. Am Abend trafen sich manche wieder, um ihn in der Stadt oder im Einkaufszentrum zu genießen. Andere unternahmen etwas in der Gastfamilie und genossen die Ruhe, die zwischendurch mal kurz vorbeischaute.

Der 5. Januar war wieder ein Familientag. Für diesen war in den meisten Familien die Besichtigung einer der vielen Attraktionen in Costa Rica geplant. Viele der Austauschpartner zeigten den Deutschen heute den „Waterfall Garden“.  Dieser ist ein recht großer Tier- und Naturparkkomplex, in dem neben den vielen Tieren vor allem auch der Wasserfall eine Attraktion ist. Man konnte sich hier super vorstellen, wie die, hier zwar eingesperrten Tiere, dennoch nur wenige Kilometer entfernt in der freien Natur leben. Ganz besondere Erlebnisse waren es, einen Tukan auf der Hand sitzen zu haben oder Kolibris aus nächster Nähe zu sehen. Der Weg zum großen Wasserfall, hindurch durch wirklich noch wild scheinenden Wald und vorbei an einem alten, traditionellen Haus, war sehr schön angelegt und der Wasserfall selbst war mit seiner Größe und der wunderschönen, naturbelassenen Natur drumherum, wirklich beeindruckend in seiner Schönheit.

 

An diesem Tag hatten viele die Möglichkeit, ihre Gastfamilie und deren Gewohnheiten noch genauer kennenzulernen. Zum Beispiel machten manche diesen Ausflug gemeinsam mit der Großfamilie, weshalb es am Abend doch sehr erholend war, wieder auf Deutsch träumen zu können und nicht die ganze Zeit Gespräche zu führen und aufmerksam sein zu müssen. Doch auch wenn die Verständigung oft mit ziemlich viel Anstrengung verbunden sein konnte, war es ein faszinierendes und tolles Gefühl, auf einer anderen Sprache mit den Menschen, eines komplett anderen Landes, in Kontakt kommen zu können. Das ist eine Möglichkeit und Erfahrung, die man vor allem danach in den Erinnerungen, zu schätzen beginnt.

 

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Nachdem wir den vergangenen Abend noch mit verschiedenem Programm in den Familien verbracht hatten, ging es am nächsten Tag los, auf das letzte Lager während unserer Zeit in Costa Rica. Wir verbrachten diese drei Tage in einem Kirchengemeindezentrum von San Carlos. Geschlafen wurde hier wieder in Doppelstockbetten und für Spiele oder gemütliche Lagerfeuerrunden stand uns eine große Rasenfläche zur Verfügung. In dieser Zeit befanden wir uns in einer sehr beliebten Touristengegend, was man sofort an den vielen kleinen Souvenirständen in unserem und den benachbarten Dörfern sehen konnte. Diese wurden natürlich noch genutzt, um letzte Mitbringsel zu besorgen. Der Grund für die vielen Touristen in dieser Gegend ist der Volcán Arenal, der sich hier befindet; einer der aktivsten und Vulkane Mittelamerikas. Diesen mussten wir uns natürlich auch genauer anschauen, daher machten wir gleich am ersten Tag eine Bootstour auf dem See nahe dem Vulkan. Vom Schiff aus konnte man den beeindruckenden Kegel aus der Nähe betrachten und auch die wunderschöne Umgebung blieb dem Auge nicht verborgen. Besonders fasziniert waren wir alle, als wir nicht weit von uns entfernt, im Seegras, ein kleines Krokodil schwimmen sahen.

Nach diesem sehr schönen Tag machten wir uns am darauffolgenden auf den Weg zum Wasserfall La Fortuna. Gemeinsam mit anderen Touristen gingen wir, über glitschige Treppen, hinab zum Wasser. 

 

Hier bestaunten wir den etwa siebzig Meter hohen Wasserfall und genossen danach das kühle Nass der Lagune, in der man schwimmen durfte. Nach diesem besonderen Gefühl von Baden im Urwald ging es mit dem Bus in die naheliegende Stadt. Hierbei wurde jeder schon ein wenig wehmütig, da es uns immer bewusster wurde, dass die Zeit schon bald vorbei sein würde. Trotz der gleichzeitig vorhandenen Freude, auf das zu Hause in Deutschland, wollte wohl keiner wirklich schon wieder zurück in das Alltagleben und die Kälte, die uns dort erwartete.

 

Dieses Gefühl von Abschied konnte aber auch schon schnell wieder verdrängt werden, als der nächste Programmpunkt des Tages anstand. Die Überraschung mit dem Namen „Heiße Quellen“ wartete auf uns. Die Ankündigung, unter der sich wohl die meisten einfache Becken, irgendwo in der Natur vorgestellt hatten, entpuppten sich als Thermen einer großen Anlage, die mit allerlei Luxus wohl eher für reichere Touristen erbaut wurden. Der Besitzer hatte uns auf Nachfrage eines Costa-Ricaners aus der Partnergruppe, der aus dem gleichen Ort stammt, den Eintritt und ein Mittagessen geschenkt. Vollkommen fasziniert von diesem Luxus Costa Ricas, mit dem das Land gerne um Touristen aus aller Welt wirbt, genossen wir den restlichen Tag im heißen Wasser und später auch tanzend im „Diskobecken“ der Anlage. 

 

Nachdem wir am Abend wieder beim Gemeindezentrum angekommen waren, konnte die Abschiedsstimmung nicht mehr so gut ferngehalten werden. Bei unserer deutschen Gruppe ging es in der abendlichen Reflexionsrunde über die baldige Rückkehr und  der Dank für die Organisation der Reise wurde ausgesprochen. Auch innerhalb der gesamten Gruppe, wurde immer mehr an den Rückflug und die Verabschiedung gedacht, die schon bald anstand. Abends ließen wir den Tag noch gemütlich beim Singen und Bratäpfelessen ums Lagerfeuer 

herum ausklingen und schnell war es zwei Uhr nachts, als sich auch die letzten auf den Weg ins Bett machten, um den bevorstehenden Tag des Abschieds gut überstehen zu können.

 

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Nach dem Packen und einem leckeren Frühstück, ging es mit dem Bus wieder in Richtung Heredia. Die Busfahrt wurde von vielen aus der Gruppe für kurzes Schlafnachholen genutzt. Unterwegs machten wir einen kleinen Stopp, um uns einen kunstvoll gestalteten Park anzusehen und noch an den typischen Verkaufsständen traditionelle Leckereien aus Costa Rica zu besorgen. Des Weiteren stand an diesem letzten Tag noch ein wichtiger Besuch für uns an: Der Vizepräsident der costa-ricanischen Pfadfinder verabschiedete uns im Pfadfinderbüro in San José, wobei wir alle ein T-Shirt geschenkt bekamen. Nach einem letzten Gruppenfoto vor dem großen Bürohaus stiegen wir wieder in den Bus und wurden nun zu unseren Gastfamilien gefahren. Den Nachmittag verbrachten wir noch gemeinsam mit diesen, und natürlich auch mit dem Packen für den Rückflug. Die Zeit verging dann sehr schnell und der Abschiedsabend kam früher, als erwartet. Die Gruppe traf sich gemeinsam mit allen Gastfamilien und jeder brachte etwas für das Buffet mit. Gemeinsam wurde gegessen und Dankesworte ausgesprochen. Für uns Deutsche wurde es dann wieder ernst, als wir unsere Präsentation zum zweiten Mal, vor deutlich älterem Publikum vortragen mussten. Auch wenn wir mit diesem Auftritt nicht ganz so zufrieden waren, wie mit unserem ersten, was wohl an der allgemeinen Müdigkeit und Wehmütigkeit gelegen hatte, war  das Publikum wieder begeistert. Die Bilderpräsentation kam auch sehr  gut an, was uns natürlich alle freute. Nach dieser Darbietung unserer Seite, überreichte noch jeder Deutsche seinem Austauschpartner als Dank ein Gruppenbild und es wurden Bilder unseres gemeinsamen Erlebnisses gezeigt. Bei diesen vielen Erinnerungen und dem anschließendem, zweisprachigem Singen des bekannten Abschiedsliedes, „Nehmt Abschied Brüder“, blieb kaum ein Auge trocken. Daher endete der Abend in vielen Umarmungen und Tränen.

 

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Nach einer sehr kurzen Nacht und dem Abschiednehmen von der Familie, klingelte der Wecker in dieser Nacht schon sehr früh; um drei Uhr morgens. Nach einem kleinen Nachtsnack ging es los zum Flughafen. Wir alle waren sehr traurig und der Abschied wurde, soweit es ging, nach hinten geschoben. Auch wenn wir uns natürlich auf zu Hause freuten, wollte noch niemand, dass die Reise jetzt schon zu Ende sein musste. Nach dem Check-In und tausenden weiteren Abschiedsworten und Umarmungen kamen wir ein wenig in Panik, da uns weniger Zeit als geplant, bis zum Abflug blieb. Noch benebelt von den Erinnerungen und der Traurigkeit, die sich jetzt, da es wirklich zurück ging, noch deutlicher breit machte, ging es mit dem Flieger nach Atlanta. Die Abschiedsgedanken wurden hier bald wieder ein wenig verdrängt, da sich nach eineinhalb Stunden Verspätung, aufgrund von illegalen Immigranten, langsam Angst vor dem Verpassen des Fluges aufkam. Glücklicherweise ging aber alles gut und wir kamen, nach etwa 25 Stunden, sehr erschöpft, wehmütig, aber dennoch fröhlich und mit vielen Geschichten im Kopf am 10. Januar im morgendlichen Deutschland an.

 

Kurze Reflexion:

Aus der zweiten Begegnung nehmen wir wiederholt wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen mit.

Auch dieses Mal war die Reise von einem engen Gemeinschaftsgefühl geprägt.

Für das Gelingen eines solchen Austausches spielten, für uns, viele Faktoren eine Rolle:

In allererster Linie die viele Zeit, die insbesondere im Voraus in die Planung investiert wurde.

Aber auch die Herzlichkeit, mit der jeder einzelne von uns in seiner Gastfamilie empfangen wurde und die sehr offene Art unsere Gastgeber. Wir wurden mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit als Freund empfangen, beinahe wie ein Teil der Familie. Auch auf den verschiedenen Unternehmungen und Lagern, auf denen zudem viele neue und auch fremde Erfahrungen auf uns zukamen, waren unsere Austauschpartner stets für uns da und an unserem Wohlbefinden interessiert.

Das wurde natürlich auch dadurch erleichtert, dass sich die Mitglieder der beiden Gruppen, zu großen Teilen, bereits aus dem voran gegangenen Austausch, vor zwei Jahren, kannten.

Die Gruppe fand schnell wieder zu der damals bereits entstandenen Vertrautheit zurück und konnte das Erlebnis als eine Einheit genießen. Auch der Wechsel zwischen kurzen Lagern und den dazwischen liegenden Tagen in den Gastfamilien war insofern sinnvoll, dass man einerseits das bunte Treiben der Lager mitnehmen, andererseits aber auch die Kultur des Landes und den Alltag der dort lebenden Menschen erfahren konnte.

Abschließend betrachtet war es ein sehr lebendiger, erfahrungsreicher und gelungener Austausch für beide Seiten, den sicherlich alle Beteiligten noch lange in Erinnerung behalten werden.

Rückblickend bekamen wir durch die vergangenen, gegenseitigen Besuche ein Gefühl davon, wie wichtig und besonders diese Art von Austausch ist. Die Freundschaft untereinander wollen wir auf keinen Fall aufgeben und denken daher über einen zweiten Besuch der costa-ricanischen Gruppe in Deutschland nach. Alle Teilnehmer des Austausches konnten ganz besondere Erfahrungen mitnehmen. Neben den oben genannten gehören dazu auch das Gefühl in einer Gruppe miteinander über lange Zeit zusammen zu sein und in  unserem Falle auch die ersten Erfahrungen mit der organisatorischen Planung einer solchen Reise. Aufgrund dieser schon gesammelten Erfahrungen steht in Überlegung, dass einer der jüngeren Teilnehmer den nächsten Rückbesuch planen wird. Für manche von uns war die Fahrt nach Costa Rica auch in weiterer Hinsicht noch eine größere Bereicherung, da sich der ein oder andere überlegt, ein Auslandjahr in diesem Land zu machen. 

Um unsere besondere Zeit auch in der Öffentlichkeit zu repräsentieren, sind wir gerade dabei, einen Abend zu planen, an dem wir mit einer Bildervorstellung von unserer Reise und unseren Erfahrungen erzählen.  Bei diesem Abend laden wir vor allem die Menschen ein, die uns mit Spenden oder sonstiger Hilfe die Fahrt ermöglichten. Daher wird der Abend in der Kirche stattfinden, wo uns die Menschen besser kennen und uns sehr gerne unterstützten. Für die Nachbereitung in unserer kleinen Gruppe, werden wir uns zu einem Wochenende treffen und die Reise ein wenig nachklingen lassen. 

 

Unseren Costa Rica Blog finden Sie hier.

 Zu der Vorbereitung finden Sie hier noch mehr Informationen.

 

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Der Stamm Alemannen (Freiburg im Breisgau) ist Mitglied im 'Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder' (VCP)

Innerhalb der internationalen Pfadfinderbewegung ist der VCP über den 'Ring deutscher Pfadfinderverbände' (RdP) Mitglied der 'World Organization of the Scout Movement' (WOSM) und über den 'Ring Deutscher Pfadfinderinnenverbände' (RDP) Mitglied der 'World Association of Girl Guides and Girl Scouts' (WAGGGS). Als Teil der evangelischen Jugend ist der VCP Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej)